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Das Schachspiel der Ego-State Anteile: Warum wir in toxischen Dynamiken oft die Kontrolle verlieren

Hast du dich jemals gefragt, warum du in einer bestimmten Beziehung plötzlich gefühlt wieder zum „rebellischen Jugendlichen“ oder zum „angepassten Kind“ wurdest, obwohl du im Berufsleben souverän agierst oder eine erfolgreiche Führungspersönlichkeit bist?

 

Die Antwort liegt nicht im mangelndem Wissen oder Intelligenz, sondern in unserer inneren Architektur. Die Ego-State-Therapie (nach John Watkins & Helen Watkins) zeigt uns, dass unsere Persönlichkeit aus verschiedenen Anteilen besteht. In gesunden Beziehungen kommunizieren meist unsere „Erwachsenen-Ichs“. In toxischen Dynamiken hingegen findet oft ein unbewusstes Schachspiel verletzter Persönlichkeitsanteile statt.

Verschiedene Ego-State Anteile in toxischen Beziehungen

In schwierigen Beziehungen geht es nach der Ego-State Therapie nicht darum, den einen "Schuldigen" zu finden, sondern um das unbewusste Zusammenspiel der inneren Anteile, die wir alle in uns tragen. Wenn wir diese Ego-States nicht genau kennen und differenzieren können, wundern wir uns vielleicht, warum wir immer wieder in frustrierenden Konflikten mit engen Freunden, Familienmitgliedern, Kollegen oder unseren Beziehungspartnern stecken.

 

1. Wenn das „Traumatisierte Kind“ das Ruder übernimmt

In toxischen Beziehungen dockt der Partner / das Gegenüber oft an einen jungen, verletzlichen Anteil in uns an. Dieser Anteil sehnt sich nach der Anerkennung oder Nähe, die früher vielleicht durch abwesende oder kontrollierende Eltern nicht gegeben wurden. Wenn der Partner Distanz aufbaut oder arrogant reagiert, gerät dieser junge Anteil in Stress. Er verfällt in alte Überlebensstrategien: Anpassung, Unterwürfigkeit oder Manipulation, um die Verbindung mit allen Mitteln zu retten.

 

2. Manipulative Kontrolle zur Selbststabilisierung

Toxische Partner agieren oft aus einem stark kompensatorischen Ego-State heraus. Sie brauchen die Kontrolle, um ihre eigene innere Leere nicht spüren zu müssen. Sie „spielen“ mit den Anteilen ihres Gegenübers:

  • Provokation, um eine Reaktion zu erzwingen und um das Ego zu stärken.
  • Schweigen (Silent Treatment), um Macht auszuüben.
  • Liebesentzug in Beziehungen, um zu bestrafen oder um Schuldgefühle auszulösen.

3. Die Falle der „Hochfunktionalen Anpassung“

Ein besonders tückischer Ego-State ist der des „Hochfunktionalen Beschützers“. Dieser Anteil sorgt dafür, dass wir nach außen hin perfekt funktionieren, während wir uns innerlich klein fühlen und emotional verhungern. Wir versuchen uns in diplomatischen Erklärungen, bauen Brücken, rechtfertigen und analysieren, um die Fassade der Stabilität aufrechtzuerhalten. Doch dieser Anteil zahlt einen sehr hohen Preis: Er übergeht damit die eigenen Bedürfnisse und auf Dauer führt ein solches Verhalten zu Selbstverlust, Verlust des Selbstwertgefühls und der Selbstwirksamkeit.

Illustration Inneres Team in der Ego-State Therapie bei Heilpraktiker Psychotherapie für Online Therapie Hamburg
Visualisierung der Ego-State-Dynamiken

Der Weg in die Freiheit: Den Regiestuhl zurückerobern

Heilung beginnt in der Ego-State-Arbeit nicht damit, den Partner zu ändern, sondern die inneren Anteile zu sortieren:

  • Identifikation: Welcher Anteil in mir bewegt mich gerade dazu, eine bestimmte Verhaltensweise zu zeigen? Ist es die souveräne Frau / der souveräne Mann von heute oder das Mädchen / der Junge von damals, welches / welcher nicht verlassen werden will?
  • Schutz des jungen Anteils: Das Erwachsenen-Ich muss die Führung übernehmen und dem jungen Anteil sagen: „Ich sorge für uns. Wir brauchen diesen Sieg im Außen nicht mehr.“
  • Abbruch des Spiels: Reife Liebe braucht keine Strategie. Sobald wir aufhören zu „spielen“, um eine Reaktion zu erzwingen, verlassen wir das toxische Spielfeld.

Eine toxische Beziehung ist oft ein ewiger Kreislauf zwischen Anteilen, die sich gegenseitig in Schach halten. Wenn man ständig Brücken für andere baut, auf Kosten der eigenen Bedürfnisse, vergisst man oft, festen Boden unter den eigenen Füßen zu schaffen. Das führt zum Gefühl, nur noch ein „Funktionsträger“ statt ein Mensch zu sein. Der Ausstieg gelingt, wenn wir den Fokus von der Analyse des anderen abziehen und unser eigenes „Inneres Team“ neu aufstellen. Wenn das Erwachsenen-Ich wieder auf dem Regiestuhl sitzt, verliert das toxische "Hin und Her" mit dem Gegenüber seine Macht.

Es geht darum, zur eigenen Authentizität zu finden, zu wissen, wer man wirklich ist und wie man sein Leben so gestalten kann, dass man unabhängig von ungesunder externer Validierung wird. Dies ist der Schlüssel zu gesundem Selbstwertgefühl. Wenn man Bestätigung im Außen sucht, macht man sich abhängig und somit auch anfällig für ungesunde Beziehungen.

 

Solange wir uns dieser Muster nicht bewusst werden, landen wir häufig in ungesunden Beziehungen oder stecken darin fest. Das erschwert es uns und unseren Partnern, wirklich zufriedene Partnerschaften führen zu können. Oftmals wiederholen wir dann alte Dynamiken in Form eines Wiederholungszwangs. Bewusstwerdung ist der erste Schritt zur Veränderung.

 

Hast du bei dir schon einmal beobachtet, wie ein junger verletzter Anteil in deiner Beziehung das Kommando übernommen hat? Wie hat es sich auf deinen emotionalen Zustand ausgewirkt?

 

In meiner Praxis arbeite ich mit diesen verschiedenen Anteilen in Form der Ego-State Therapie, wenn du dazu mehr erfahren möchtest oder an deinem Bindungsstil arbeiten möchtest, kannst du dir zeitnah einen Termin buchen.

 

Autorin: Henriette Lüth

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Henriette Lüth, M. Sc. - HP - Psych. - Online Privatpraxis für Gesprächstherapie

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Henriette Lüth, M. Sc.

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